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„Ehemalige sponsern Uni“. So titelt die DIE ZEIT Ende 1998 ein Interview mit Douglas Blair, einem Insider und ehemaligen Studenten der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Im Gespräch mit der ZEIT-Redaktion deckt er stolz die gewinnbringenden Verbindungen und Geldkanäle des Think-Tanks auf. Zudem weist er auf den Nachholbedarf der Universitäten in Deutschland hin, „wo sich die Hochschulen endlich auch um ihre ehemaligen Studenten kümmern sollten, indem sie […] eine intellektuelle wie emotionale Bindung aufrechterhalten.“ Blair räumt ein, dass der elitäre Unterricht an der renommierten Universität Princeton ohne Spenden von Alumnen nicht denkbar, denn nicht bezahlbar sei. In der Tat steuern die Ehemaligen nach Blairs Angaben zwei Drittel des Universitätshaushalts hinzu. Die Mittel fließen nicht von alleine: „Wir pflegen sehr intensive Kontakte“. Jährlich werden einflussreiche und sicher auch weniger erfolgreiche Ehemalige zu Klassentreffen eingeladen. Würden deutsche Eliteuniversitäten ihre Verbindungen auf ähnliche Weise ausnutzen, stünde ihnen u.a. das Kapital der ehemaligen Studenten zu, gibt Blair zu bedenken. In den Vereinigten Staaten sei diese Verbindung von einer beidseitigen Wertschätzung des Statussymbols „Universität“ geprägt.

 

Quelle: (DIE ZEIT, 10/1998)  http://images.zeit.de/text/1998/10/Ehemalige_sponsern_Uni

 

Forschungsinteresse: Welche Effekte hatte die Anpassung der Strukturen deutscher Universitäten an das Vorbild amerikanischer Elite-Universitäten? Warum eifern europäische Universitäten dem Beispiel amerikanischer Bildungspolitik nach?

 

In der Tat hat sich die Soziologie auch diesem Phänomen der Moderne angenommen. Richard Münch untersucht in seinem Werk „Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz“, wie das Modell der Eliteuniversität in Deutschland seinen Ausgang fand, einem Land, das sich vieler Denker und weltbekannter Wissenschaftler rühmt. Münch unterstreicht in seiner Analyse der Wettbewerbssituation an deutschen Institutionen, dass Deutschland sein wissenschaftliches Renommee der traditionellen Konkurrenz der Institute untereinander und zwischen den diversen Universitäten verdankt. Ähnlich verhält es sich auch bei den Eliteuniversitäten der Vereinigten Staaten, hier wird der Wettbewerb jedoch alleinig vom Marktwert der wissenschaftlichen Resultate geleitet: „In den USA gibt es keine politische Privilegierung weniger Standorte, sondern heftigen Wettbewerb zwischen einer Vielzahl von Universitäten, in der der Staat nicht eingreift.“[1] Deutsche Universitäten wünschen sich eine Sonderstellung, wie sie die Harvard University mit einem beachtlichen Milliardenvermögen in den USA einnimmt. Der Glaube, dass die Ausstattung weniger Universitäten mit weitreichenden Privilegien, zu einer Verbesserung des Standorts Deutschland für Wissenschaft und Forschung führe, resultiert nach Münch aus einem kognitiven Fehler. Die Heraushebung weniger Universitäten in Deutschland blockiere den lebhaften und innovationsreichen Wettbewerb innerhalb der Wissensgesellschaft. Harvard müsse mit maximal 169 anderen amerikanischen Universitäten um die Anerkennung ihrer Forschungsergebnisse ringen, bevor sie in einem internationalen Wettbewerb tritt. Die Monopolisierung von Forschungsgeldern an wenigen deutschen Universitäten verhindere Diffusion und Akkumulation von Wissen in der Gesamtperspektive.

Stattdessen betont Münch, dass der Wettbewerb um Renommee und Finanzmittel, der Erfolg bei der Vermarktung von Wissen (auch ablesbar an der Verteilung von Nobelpreisen, welche zumeist an amerikanische Forscher gehen), maßgeblich von der Gleichberechtigung der Fakultäten und Universitäten bestimmt wird. Demnach „müsste mehr auf die Förderung von Personen und weniger auf die Förderung von Standorten gesetzt werden, weil auf diese Weise eine breitere Ausschöpfung des vorhandenen Potentials an Kreativität gelingt.“[2]

 

 



[1] Vgl. Münch, Richard (2007): Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. S. 20.

[2] Vgl. Münch, Richard (2007): Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. S. 23.


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Eine Arbeit von Kathrin Schulte-Eppendorf und Lukas Ley Alle Texte von Schulte-Eppendorf und Ley - Verwendung von Quellentexten und Zitaten s. Literaturverzeichnis